Tourette
Allgemeines über Tics und Tourette
Dein Körper macht immer wieder Bewegungen oder Geräusche, die du nur schwer oder gar nicht kontrollieren kannst? Teilweise kommen diese Bewegungen auch in sehr ungünstigen sozialen Situationen vor? Dann könnte es sein, dass du unter einer Tic-Störung oder einem Tourette-Syndrom leidest. Hier erfährst du alles Wichtige über Tic-Störungen und Tourette. Du bekommst dazu ein paar Tipps und wir schlagen dir vor, wie du damit umgehen kannst.
Was bedeutet Tourette?
Von einem Tourette-Syndrom wird gesprochen, wenn du sowohl motorische als auch vokale Tics zeigst.
Das bedeutet, dass sich zum Beispiel dein Kopf ständig bewegt oder du dich ständig räuspern musst. Nur wenn beide Arten von Tics über einen längeren Zeitraum als zwölf Monate vorkommen, spricht man von einem Tourette-Syndrom.
Wie erkenne ich eine TIC-Störung?
Es gibt viele verschiedene Symptome einer TIC-Störung. Die Gemeinsamkeit ist:
die TICs treten plötzlich und unwillkürlich auf
sie wiederholen sich und haben keinen richtigen Zweck
Der TIC kann für einige Sekunden anhalten oder in einer Serie auftreten, sodass du zum Beispiel einen TIC mehrfach hintereinander ausführen musst
Der TIC lässt sich nicht bewusst steuern
Es gibt motorische und vokale TICS.
Es werden einfache und komplexe TICS unterschieden.
Hier ein paar Beispiele für…
Einfache TICS (motorische und vokale)
Augenzwinkern
Nase oder Schultern zucken
Kopf nicken
räuspern, husten und schniefen
Komplexe TICS (motorische und vokale)
Hüpfen
Strecken des Oberkörpers
Berühren von Gegenständen
Wiederholungen von Worten anderer
Wiederholungen von eigenen Lauten/Wörtern
Sollten manche dieser Symptome auf dich zutreffen und mindestens 6 Monate vorliegen sowie dich in deinem Alltag einschränken, solltest du dir professionelle Hilfe suchen.
Wichtig ist, dass nur ein:e Fachärzt:in oder Psychotherapeut:in feststellen kann, ob du wirklich unter einer TIC-Störung oder einem Tourette leidest. Die Symptome von vielen psychischen Krankheiten sind ähnlich und für Betroffene schwer zu unterscheiden.
Was sind die Ursachen einer Tic-Störung?
Im Kindesalter sind TICs relativ häufig. Oft kommen sie nur eine kurze Zeit vor und verschwinden von alleine wieder.
Es gibt trotz vieler Studien noch keine ausreichenden Erklärungen zur Entstehung von TICs. Deutlich ist jedoch, dass sie genetisch bedingt sein können und die aktuelle Wissenschaft geht davon aus, dass Dopamin (Neurotransmitter) bei der Entstehung eine große Rolle spielt.
Wichtig:
Erhöhter Stress oder negative Reaktionen des Umfelds können die TICs verstärken.
Gibt es Tipps, die du direkt umsetzen kannst?
In der Öffentlichkeit kann es oft schwierig sein, wie andere Personen auf deine TICs reagieren. Es gibt einige Tipps, die wir für dich zum Thema "TICs und Tourette" haben. Am wichtigsten ist, dass du auf dich achtest, ob die Symptome von Tourette auf dich zutreffen. Dann kann auch eine ambulante Psychotherapie sehr hilfreich sein.
Hilfreich können außerdem folgende Tipps für dich sein:
kreative Hobbies ausüben
Beschäftigungen nachgehen, die deine Konzentration und Energie fördern
eine gute Stressbewältigung erlernen (Hierfür haben wir auch eine eigene Rubrik zum Thema Stress für dich)
gezielte Skills nutzen (s. Skillbox)
Erlernen von Ersatzbewegungen oder auch Ersatzvokalen
Entspannungsmethoden einüben
offen mit deinem Umfeld über deine TICs sprechen
sag, dass es sich um eine Krankheit handelt und du es nicht “mit Absicht” machst
Manche Betroffene können die TICs in bestimmten Situationen unterdrücken und nehmen sich dann, wenn sie alleine sind, eine ganz konkrete Zeit, um den TICs “freien Lauf” zu lassen.
Wenn du selbst noch weitere Tipps hast, die du mit anderen teilen willst, schreib uns gerne auf Instagram oder TikTok (@betweenthelinesapp).
Wir freuen uns über deine Tipps und werden sie hier integrieren!
Kann ich mir auch professionelle Hilfe zu diesem Thema suchen?
Bei vielen kommen und gehen TICs von alleine und führen zu wenig Einschränkungen im Alltag.
Sollten dich deine TICs aber belasten, weil sie bspw. zu Schmerzen führen oder du dadurch soziale Ausgrenzung erfährst, gibt es verschiedene Optionen, die wir hier und auch im Bereich "Hilfsangebote" für dich zusammengefasst haben. Zum einen findest du dort den "Hilfekompass", der dir sagt, in welcher Situation welche Hilfe sinnvoll ist. Du findest aber auch ganz konkrete Anlaufstellen, die du direkt über die App kontaktieren kannst!
Grundsätzlich gibt es für dich folgende Optionen:
Stufe 1:
Sprich mit deinen Eltern oder deinen Freund:innen über deine Situation. Wenn du dich ihnen gut anvertrauen kannst, erzähle ihnen, dass dich deine TICs belasten.Stufe 2:
Suche ein Beratungsangebote auf. Es gibt viele kostenlose und gute Beratungen, die dir weiterhelfen können. Neben Beratungen in deiner Nähe gibt es auch Online- und Telefonangebote. Alle findest du im Bereich "Hilfsangebote".Stufe 3:
Suche ein:e Ärzt:in auf. Sowohl Ärzt:innen als auch Psychotherapeut:innen können dir mit einer bestimmten verhaltenstherapeutischen Intervention helfen, einen besseren Umgang mit deinen TICs zu finden. Vorher sollte jedoch abgeklärt worden sein, dass es keine andere körperliche Ursache für diese Symptome gibt. Eine vollständige Liste findest du auch im Bereich "Hilfsangebote" (Stufe 3).Stufe 4:
Wenn du schon lange Zeit mit deinen TICs zu kämpfen hast und eine ambulante Therapie nicht ausreicht, besteht auch die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung, die du mit einem Psychiater oder einer Psychiaterin besprechen kannst.
Sei dir bewusst, dass Therapieplätze oft begrenzt sind. Je früher du also mit der Suche beginnst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, möglichst früh mit einer Behandlung zu beginnen. Ganz wichtig: Lass dich nicht entmutigen, wenn dir abgesagt wird! Du kannst dich auch direkt an deine Krankenkasse wenden, um zu erfahren, welche Möglichkeiten du bei der Therapiesuche hast. Prinzipiell wird eine dringend notwendige Psychotherapie von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.