Straffälligkeit
Allgemeines über Straffälligkeit
Du bist verunsichert, was Straffälligkeit bedeutet oder wie du damit umgehen sollst? Hier erfährst du alles Wichtige und was du jetzt tun kannst.
In diesem Abschnitt erfährst du, ab wann man von Straffälligkeit spricht, welche Ursachen dahinterstecken können und wie du mit der Situation umgehen kannst. Außerdem erhältst du Tipps, wo du dir Hilfe holen kannst.
Ab wann spricht man von Straffälligkeit?
Straffälligkeit bedeutet, dass jemand gegen ein Gesetz verstößt und dafür strafrechtlich belangt wird, also z. B. eine Anzeige bekommt, vor Gericht muss oder eine Strafe wie Sozialstunden, Geldstrafe oder sogar Freiheitsentzug erhält.
Beispiele für straffälliges Verhalten (auch bei Jugendlichen):
Diebstahl (z. B. Ladendiebstahl)
Körperverletzung
Sachbeschädigung
Drogenbesitz oder -handel
Cybermobbing, Erpressung oder Bedrohung
In Deutschland ist man ab 14 Jahren strafmündig. Das bedeutet: Du kannst strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden – aber nach dem Jugendstrafrecht, das eher auf Hilfe und Erziehung zielt statt auf reine Bestrafung. Bist du zwischen 18 und 21 Jahre alt, kann in bestimmten Fällen ebenfalls noch Jugendstrafrecht angewendet werden. Das ist zum Beispiel möglich, wenn das Gericht zu dem Schluss kommt, dass du in deiner Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstehst oder die Tat eher typisch für Jugendliche war. Andernfalls gilt für dich das Erwachsenenstrafrecht.
Welche Arten von Straffälligkeit gibt es?
Straffälligkeit kann ganz unterschiedlich aussehen. Juristen unterscheiden grob zwischen:
Eigentumsdelikte
Diebstahl, Einbruch, Hehlerei (gestohlene Sachen kaufen oder weiterverkaufen)Gewaltdelikte
Körperverletzung, Raub, BedrohungStraftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
sexueller Missbrauch, Verbreitung pornographischer InhalteSachbeschädigung
Vandalismus, Graffiti ohne Erlaubnis, Zerstörung fremden EigentumsDrogendelikte
Besitz, Konsum oder Handel von illegalen SubstanzenDigitale Straftaten
Cybermobbing, Verbreitung illegaler Inhalte, Hacking, Erpressung über Social Media
Das Wichtigste ist, dass du dir gegenüber ehrlich bist und dir eingestehst, wenn du ein Problem hast. Straffälligkeit kann schwerwiegende Folgen für deine Zukunft haben und du solltest alles dafür tun, einen guten Weg für dich zu finden.
Was können die Ursachen für Straffälligkeit sein?
Es gibt viele Gründe, warum Jugendliche straffällig werden. Meistens steckt jedoch eine schwierige Situation dahinter und keine „Bösartigkeit":
Gruppendruck
Freund:innen oder deine Clique erwarten ein bestimmtes Verhalten, und du willst dazugehören. Das kann dazu führen, dass du Dinge tust, die du alleine nie machen würdest.Langeweile oder “die Suche nach einem Kick”
Manchmal passieren Straftaten aus einem Gefühl der Leere oder weil der Nervenkitzel reizt.Schwierige familiäre Verhältnisse
Konflikte Zuhause, fehlende Aufmerksamkeit oder Gewalt in der Familie können dazu führen, dass du anderswo nach Halt suchst. Manchmal an den falschen Stellen.Finanzielle Probleme
Wer wenig Geld hat und trotzdem mithalten will, kommt manchmal auf falsche Ideen.Mentale Gesundheit
Depressionen, ADHS, Impulskontrollstörungen oder andere psychische Belastungen können das Risiko für straffälliges Verhalten erhöhen.Fehlende Perspektive
Wer das Gefühl hat, sowieso keine Chance zu haben, nimmt Regeln manchmal weniger ernst.Sucht
Alkohol- oder Drogenkonsum kann die Hemmschwelle senken und zu Straftaten führen. Oder aber du brauchst Geld für den nächsten Konsum.Rebellion
Dein Wunsch, sich gegen Regeln und Autoritäten aufzulehnen, kann im Extremfall zu strafbarem Verhalten führen.
Welche Risiken und Langzeitfolgen entstehen bei Straffälligkeit?
Straffälligkeit kann weitreichende Folgen haben, nicht nur unmittelbar nach einer Tat, sondern oft auch noch Jahre später. Welche Auswirkungen entstehen, hängt von der Art der Straftat, deinem Alter, der Häufigkeit der Vorfälle und den rechtlichen Konsequenzen ab.
Zu den möglichen Risiken und Langzeitfolgen gehören:
• Probleme in Schule und Ausbildung
Strafverfahren, Gerichtsverhandlungen oder Auflagen können dazu führen, dass du Unterricht verpasst oder Schwierigkeiten hast, dich auf die Schule zu konzentrieren. Manche Ausbildungsbetriebe fragen außerdem nach Vorstrafen.
• Eingeschränkte berufliche Chancen
Bestimmte Berufe setzen ein einwandfreies Führungszeugnis voraus. Vorstrafen können deshalb bei deinen Bewerbungen oder deiner Berufswahl zum Hindernis werden.
• Finanzielle Belastungen
Geldstrafen, Schadensersatzforderungen oder Kosten für Anwälte können eine große finanzielle Belastung darstellen, besonders für junge Menschen.
• Belastungen für Freundschaften und Familie
Straffälligkeit kann zu Konflikten mit Eltern, Geschwistern, Freund:innen oder anderen wichtigen Bezugspersonen führen. Manchmal geht dadurch Vertrauen verloren, das erst wieder aufgebaut werden muss.
• Psychische Belastungen
Schuldgefühle, Scham, Zukunftsängste oder die Sorge vor weiteren Konsequenzen können deine psychische Gesundheit beeinträchtigen. Manche Betroffene ziehen sich zurück oder entwickeln starke Selbstzweifel.
• Weitere Straftaten als Risiko
Wer wiederholt straffällig wird, gerät leichter in einen Kreislauf, aus dem es zunehmend schwerer wird, auszubrechen. Dadurch steigt auch das Risiko für strengere rechtliche Konsequenzen.
• Negative Auswirkungen auf das eigene Selbstbild
Wenn man sich über längere Zeit als „Problemfall" oder „Straftäter:in" wahrnimmt, kann das dein Selbstvertrauen und deine Motivation beeinträchtigen, positive Veränderungen anzugehen.
• Einschränkungen im Alltag
Je nach Schwere der Tat können gerichtliche Auflagen, Bewährungsmaßnahmen oder andere Konsequenzen den Alltag über längere Zeit beeinflussen.
Wichtig ist: Eine Straftat bedeutet nicht automatisch, dass deine Zukunft dauerhaft belastet sein wird. Viele junge Menschen machen Fehler und schaffen es trotzdem, ihr Leben wieder in eine positive Richtung zu lenken. Entscheidend ist, wie du danach mit der Situation umgehst.
Wenn du Verantwortung übernimmst, Unterstützung annimmst und bereit bist, etwas zu verändern, lassen sich viele negative Folgen begrenzen oder sogar ganz vermeiden. Je früher du aktiv wirst, desto größer sind die Chancen, dass die Straffälligkeit nur ein Kapitel deiner Vergangenheit bleibt und nicht deine Zukunft bestimmt.
Wie kann ich jetzt mit meiner Straffälligkeit umgehen?
Wenn du straffällig geworden bist oder merkst, dass du auf dem Weg dahin bist, ist jetzt der richtige Moment, etwas zu ändern.
Sei ehrlich zu dir selbst
Überlege, was genau passiert ist und warum. Was hat dich in diese Situation gebracht? Gibt es bestimmte Auslöser, Menschen oder Situationen, die dich dazu verleiten?Übernimm Verantwortung
Das bedeutet nicht, dich selbst fertig zu machen, aber anzuerkennen, dass du einen Fehler gemacht hast, ist der erste Schritt zur Veränderung.Ziehe Konsequenzen
Wenn bestimmte Freunde oder Umgebungen dich immer wieder in Schwierigkeiten bringen, überlege, ob du Abstand brauchst.Hol dir Hilfe
Wenn du merkst, dass du das alleine nicht schaffst, ist das ein Zeichen von Stärke und kein Zeichen von Schwäche.
Im nächsten Abschnitt findest du alle Möglichkeiten zur Hilfe.Nutze die Chance des Jugendstrafrechts
Gerade bei Ersttäter:innen geht es oft um Wiedergutmachung und Lernen, nicht um harte Strafen. Sozialstunden, Täter-Opfer-Ausgleich oder Beratungsauflagen können dir helfen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen.
Kann ich mir professionelle Hilfe von jemandem zu diesem Thema holen?
Der Schritt, mit jemandem über deine Straffälligkeit zu sprechen, ist sicherlich nicht einfach. Aber: Viele Betroffene berichten im Nachhinein, dass genau das ein wichtiger Wendepunkt für sie war.
Du hast folgende Optionen:
Sprich mit deinen Eltern, einem:einer Lehrer:in oder einer Vertrauensperson. Diese Menschen haben oft mehr Verständnis, als du denkst und können dir konkret helfen, z. B. bei Gesprächen mit der Polizei oder mit dem Jugendamt.
Möchtest du lieber mit einer fremden Person sprechen? Es gibt viele Beratungsstellen speziell für Jugendliche in schwierigen Situationen, kostenlos und vertraulich. Du kannst sowohl Beratungen vor Ort in deiner Nähe als auch Online- oder Telefonangebote nutzen. Passende Angebote findest du unter „Hilfe vor Ort” oder „Hilfe am Handy".
Wenn du bereits eine Anzeige hast, wird sich die Jugendgerichtshilfe bei dir melden. Das sind Sozialarbeiter:innen, die dich durch das Verfahren begleiten und sich für dich einsetzen. Sie wollen dir helfen und sind nicht deine Gegner.
Wenn hinter deiner Straffälligkeit tiefere Probleme stecken - zum Beispiel Sucht, Aggression oder psychische Belastungen - kann eine Psychotherapie der richtige Weg sein. Schau dafür bei unseren Infos zu psychischen Krankheiten nach.
Wichtig: Je früher du dir Hilfe holst, desto besser. Ein Fehler muss nicht dein Leben bestimmen, aber du musst bereit sein, etwas zu ändern.