Adipositas
Allgemeines über Adipositas
Hast du mit deinem Gewicht zu kämpfen? Vielleicht hast du plötzlich viel zugenommen oder schon länger Schwierigkeiten mit Übergewicht. Dies ist vor allem in Zeiten der Veränderung wie der Pubertät gar nicht ungewöhnlich. Sollte dein Übergewicht aber zu hoch sein, dann sprechen Fachleute von Adipositas. Adipositas ist eine Essstörung.
In diesem Kapitel erklären wir dir, was Adipositas ist, welche Folgen es haben kann und was du dagegen tun kannst.
Was bedeutet Adipositas?
Adipositas bedeutet, dass du deutlich mehr Körperfett hast, als es gesund ist. Dies wird mit dem sogenannten BMI (Body-Mass-Index) gemessen.
Der BMI misst das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße. Er bestimmt also eine Zahl, ab wann du adipös bist. In Abgrenzung zum Übergewicht spricht man von einer Adipositas ab einem BMI von ca. 30. Viel wichtiger ist aber, wie sich dein Gewicht auf deine Gesundheit auswirkt.
Welche Symptome treten bei Adipositas auf?
Adipositas, also starkes Übergewicht, kann verschiedene Anzeichen und Begleiterscheinungen haben. Dazu gehören zum Beispiel:
schnelle Erschöpfung und starke Müdigkeit
Atemnot, besonders bei körperlicher Belastung
Gelenkschmerzen in den Knien, Hüften und im Rücken
Hautausschläge oder Infektionen in Hautfalten
Schlafstörungen
Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes Typ 2
Geringes Selbstwertgefühl oder soziale Isolation
Achte unbedingt auf die Warnsignale deines Körpers und vor allem deiner Seele.
Sollten manche der oben genannten Punkte auf dich zutreffen, ist die Gefahr hoch, dass du an Adipositas erkrankt bist.
In einem solchen Falle ist eine Abklärung möglicher körperlicher Ursachen bei deinem:deiner Hausärzt:in oder dem nächstgelegenen Klinikum absolut notwendig!
Wichtig ist, dass nur ein:e Fachärzt:in oder Psychotherapeut:in feststellen kann, ob du wirklich an Adipositas erkrankt bist. Die Symptome von vielen psychischen Krankheiten sind ähnlich und für Betroffene schwer zu unterscheiden.
Was sind Ursachen von Adipositas?
Die häufigsten Ursachen von Adipositas im Jugendalter sind:
zu wenig Bewegung (viel Sitzen in der Schule oder auch in der Freizeit)
zu viel Medienkonsum (dadurch weniger Bewegung und unbewusstes snacken)
unausgewogene Ernährung (viel Zucker und fast food)
emotionaler Stress oder Langeweile (Essen als Emotionsregulation oder Ablenkung)
manchmal auch hormonelle Veränderung (z.B. durch die Pubertät)
oder auch genetische Einflüsse
Was sind die Langzeitfolgen von Adipositas?
Adipositas schadet auf Dauer deiner Gesundheit.
Mögliche Folgen davon sind:
Diabetes Typ 2 (eine Krankheit, bei der dein Körper Probleme hat Zucker richtig zu verarbeiten)
Gelenkprobleme/-schmerzen (dauerhafte Belastung deiner Knie, deinem Rücken und deiner Hüfte durch zu viel Gewicht)
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (zB. hoher Blutdruck, der das Herz belasten kann)
sozialer Rückzug (aus Angst vor Ablehnung oder aus Scham)
Selbstwertprobleme (Unwohlsein in deinem eigenen Körper)
Ausgrenzung und Mobbing
Depressionen und Ängste
Ausgrenzung und ein geringes Selbstwertempfinden können sich weiter auf deine Psyche auswirken
Was hilft bei einer Stigmatisierung von Adipositas?
Als betroffene Person wirst du viel zu oft und sehr schnell vorverurteilt. Du erlebst Ausgrenzung und abwertende Bemerkungen und das ist sehr verletzend.
Was dich beschäftigt, sind vielleicht diese Merkmale, die dir im Alltag begegnen:
Selbst deine Freund:innen trauen sich nicht, mit dir über dein Übergewicht zu sprechen, obwohl sie es mitbekommen? Vertraue dich ihnen an.
Leute schauen dich "komisch" an? Versuche dich so neutral wie möglich selbst zu betrachten.
Deine Familie macht dir Druck, dass du "anständig" essen sollst? Überwinde deine innere Hürde und sage ihnen, dass du ernsthafte Probleme mit deinem Essverhalten hast.
Du bist absolut in Ordnung so, wie du bist. Deine Essstörung ist es aber nicht! Sei nicht verzweifelt, du bist nicht der erste Mensch mit Adipositas. Du kannst aber eine:r der Erste:n sein, der anderen zeigt, wie es geht, den Teufelskreis zu durchbrechen. Du kannst anderen damit zum Vorbild werden und mit dafür sorgen, dass mehr Menschen sich trauen, darüber zu reden, obwohl sie sich schämen.
Gibt es Tipps, die ich als Betroffene:r umsetzen kann?
Adipositas kann zwar negative Folgen für dich haben, die gute Nachricht ist aber, dass du etwas dagegen tun kannst. Hier solltest du dir aber auch keinen Druck oder Stress machen, weil dies nur das Gegenteil bewirken würde. Es geht vielmehr um eine langfristige Veränderung für deinen Körper und für deine Seele.
Hier einige Tipps:
Setze dir unbedingt kleine Ziele, denn sie sind deutlich einfacher zu erreichen, als ein großes!
Bewegung/Sport: ein großer Spaziergang, Fahrradtour mit Freund:innen, lockeres Joggen etc.
Bewegung in den Alltag integrieren: Vielleicht mal eine Station früher aus dem Bus aussteigen und den Rest zu Fuß gehen. Oder für kurze Strecken das Fahrrad nehmen; mal die Treppen statt den Aufzug nutzen.
Gesündere Ernährung: viel Wasser trinken, frisches Obst und Gemüse, weniger verarbeitete Lebensmittel und Fast Food.
Probiere dich an gesunden Lebensmitteln aus. Vielleicht findest du auch im Internet coole und leckere Rezepte.
Vielleicht haben deine Freund:innen auch Lust, sich mehr zu bewegen oder gesünder zu essen. Gemeinsam könnt ihr euch unterstützen und kleine Ziele erreichen.
Gibt es professionelle Hilfe für mich?
Ja! Es gibt viele Ansprechpartner:innen, die dir wirklich helfen wollen und können. Hier erfährst du, wie du an Hilfe kommst.
Wichtig ist:
Adipositas ist kein Zeichen von Schwäche oder ein Grund, sich zu schämen! Es ist aber wichtig, sich selbst gut zu behandeln und die eigene Gesundheit zu stärken. Du bist nicht allein - und du bist so viel mehr als dein Gewicht!
Im Bereich Mediathek findest du viele Videos und Stories von anderen Betroffenen.
Wenn du selbst noch weitere Tipps hast, die du mit anderen teilen willst, schreib uns gerne auf Instagram oder TikTok (@betweenthelinesapp).
Wir freuen uns über deine Tipps und werden sie hier integrieren!